- Galgomarsch: Warum wir als Tierarztpraxis den Protest für Spaniens Jagdhunde unterstützen
- Warum der Galgomarsch notwendig ist – rechtliche und gesellschaftliche Perspektive
- Medizinische Realität aus der Praxis – typische Befunde bei (ehemaligen) Jagdhunden
- Verhalten, Training und Alltag – Besonderheiten des Galgo
- Adoption verantwortungsvoll gestalten – Checkliste aus tierärztlicher Sicht
- Warum wir als Praxis den Galgomarsch aktiv unterstützen
- Häufige Fragen (FAQ) zum Galgomarsch
- 1) Worum geht es beim Galgomarsch ganz konkret – und was fordert der Protest?
- 2) Ist eine Adoption eines Galgos nach dem Galgomarsch sinnvoll – und was ist medizinisch zu beachten?
- 3) Was unterscheidet den Galgo verhaltensbiologisch von anderen Hunden – und wie setze ich Training sinnvoll an?
- 4) Welche internationalen Quellen sind verlässlich, wenn ich mich tiefer einlesen möchte?
- 5) Ich möchte den Galgomarsch unterstützen, kann aber nicht teilnehmen – was bringt mein Beitrag?
- Zusammenfassung: Warum der Galgomarsch medizinisch sinnvoll, politisch notwendig und ethisch geboten ist
Galgomarsch: Warum wir als Tierarztpraxis den Protest für Spaniens Jagdhunde unterstützen
Als medizinische Leitung unserer Kleintierpraxis und langjährig tätige Tierärztin sehe ich täglich, was Tierschutz ganz praktisch bedeutet: Prävention, Versorgung, Rehabilitation – und manchmal auch deutliche Worte in der Öffentlichkeit. Der Galgomarsch ist für mich genau so ein notwendiges, öffentliches Zeichen. Rund um den „Día del Galgo“ (1. Februar) gehen europaweit Menschen mit ihren Hunden auf die Straße (dieses Jahr in Köln am 31.01.2026), um auf das Schicksal spanischer Jagdhunde – insbesondere der Galgos und Podencos – aufmerksam zu machen.
In diesem Beitrag erläutere ich aus tierärztlicher Sicht, warum der Galgomarsch wichtig ist, welche medizinischen und verhaltensbiologischen Aspekte bei Galgos eine Rolle spielen, wie Adoptionen verantwortungsvoll gelingen, und wie Sie seriöse Initiativen erkennen. Zudem verlinke ich auf internationale Quellen, die Hintergründe und Fakten zum Thema bereitstellen.
Galgos werden in Spanien traditionell zur Hasenjagd und zum Coursing eingesetzt; der 1. Februar markiert dort das Ende der Jagdsaison und ist als World Galgo Day etabliert. In genau dieser Phase mehren sich Berichte über ausgesetzte, verletzte oder in schlechter Verfassung abgegebene Hunde. Internationale Tierschutzorganisationen dokumentieren das seit Jahren und organisieren länderübergreifende Proteste – die Galgomärsche. Wer die Debatte verstehen will, muss sowohl die rechtlichen Rahmenbedingungen in Spanien als auch die medizinischen Befunde dieser Hunde kennen.
Warum der Galgomarsch notwendig ist – rechtliche und gesellschaftliche Perspektive
Spanien hat 2023 erstmals ein umfassendes Tierschutzgesetz in Kraft gesetzt. Es verschärft Strafen für Misshandlungen und regelt u. a. den Handel mit Haustieren deutlich strenger. Gleichzeitig ist das Gesetz aufgrund politischer Kompromisse nicht auf Jagdhunde anwendbar, was von internationalen Medien und NGOs wiederholt kritisiert wurde. Diese Ausnahme wurde etwa von Associated Press und Euronews thematisiert; beide berichten, dass Jagdhunde – entgegen der ursprünglichen Planungen – aus dem Anwendungsbereich herausgenommen wurden. Das erklärt, warum der Galgomarsch als Protestform bis heute relevant ist: Er thematisiert die Schutzlücke und fordert gleiche Standards für alle Hunde, unabhängig von ihrer Nutzung.
Parallel dazu liefern englischsprachige Informationsseiten Hintergründe zu World Galgo Day und den europaweiten Demonstrationen. Die Internationale Kampagne weist darauf hin, dass der 1. Februar bewusst gewählt wurde – es ist das Ende der Jagdsaison, für viele Galgos der Beginn einer ungewissen Zukunft. Auch NGOs in den Niederlanden und Großbritannien dokumentieren alljährliche Proteste und fordern ein Ende der Ausbeutung von Jagdhunden.
Bemerkenswert ist, dass der Druck nicht nur aus Spanien selbst, sondern vor allem aus anderen europäischen Ländern sowie den USA kommt: Organisationen wie SOS Galgos (Spanien, englischsprachig), CAS International (Niederlande), Greyhounds in Need (UK) oder GRIN (USA) vernetzen Aufklärung, Lobbyarbeit und Adoptionen. Diese transnationale Struktur erklärt, warum der Galgomarsch inzwischen in vielen europäischen Städten stattfindet – auch in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich.
Medizinische Realität aus der Praxis – typische Befunde bei (ehemaligen) Jagdhunden
Aus meiner tierärztlichen Praxis (Studium Leipzig; u. a. sechs Jahre Assistenz in der Kleintierklinik Dr. Thomas Graf/Köln; seit 2013 Inhaberin zweier Kleintierpraxen in Karlsbad) kenne ich die medizinischen Profile vieler importierter Galgos und Podencos aus erster Hand. Häufig sehen wir:
- Orthopädische Probleme: Von unbehandelten Bandverletzungen bis zu alten Frakturen, gelegentlich mit Kallusbildung und Fehlstellungen. Nachweisbar sind auch verschleppte Reizungen der Plantarfaszien, Zehengelenke und der Lumbosakralregion – besonders bei Hunden, die im Coursing hohe Geschwindigkeiten und abruptes Abbremsen gewohnt sind. Eine strukturierte orthopädische Untersuchung inklusive Gangbildanalyse, Palpation, ggf. Röntgen/CT ist Standard.
- Mangelernährung und Parasitosen: Wir sehen regelmäßig Hunde mit niedrigem Body Condition Score, Hypoproteinämie, Anämie sowie Endo-/Ektoparasiten. Der erste Schritt ist eine Dreifach-Kotuntersuchung, Blutbild inkl. Eisenstatus und eine zielgerichtete Entwurmung/Ektoparasiten-Behandlung, gefolgt von einer stufenweisen Ernährungsaufbaukur.
- Infektionskrankheiten aus dem Mittelmeerraum: Leishmaniose, Ehrlichiose, Babesiose, Anaplasmose, Dirofilariose. Das Mittelmeer-Profil (Serologie/PCR nach aktuellem Standard) gehört bei Hunden aus Spanien zur Basisdiagnostik. Therapie und Prognose richten sich nach Erreger, Organbefall und Ausgangszustand.
- Zahnstatus: Abnutzung und Frakturen sind nicht selten, v. a. bei Hunden, die Improvisationsfutter auf hartem Untergrund zu sich nahmen oder an Gitterstäben kauten. Ein Dentalröntgen unter Narkose erlaubt die exakte Planung von Extraktionen oder Rekonstruktionen.
- Stress- und Angstproblematiken: Viele Galgos zeigen erlernte Unsicherheit, Geräuschangst, Probleme mit engen Räumen oder Treppen. Die verhaltensmedizinische Einschätzung (inkl. Angstskalen, ggf. Pharmakotherapie) verknüpfen wir in der Praxis mit Belastungsreduktion, kontrolliertem Aufbau von Routinen und positivem Training.
Diese Muster sind kein Beweis dafür, dass jedes Einzeltier vernachlässigt war; sie zeigen aber, warum seriöse Erstversorgung und engmaschige Nachkontrollen entscheidend sind. Dass jährlich zehntausende Jagdhunde in Spanien in Not geraten, wird in internationalen Berichten wiederholt beziffert – die Größenordnungen variieren, das Grundproblem ist jedoch gut dokumentiert.
Verhalten, Training und Alltag – Besonderheiten des Galgo
Galgos sind Sichtjäger mit hohem Bewegungsdrang, ausgeprägter Reizoffenheit und feinem Sozialverhalten. In vielen Familien erleben wir sie als sanfte, liebevolle und eher stille Hunde. Typische Themen im Erstgespräch:
- Sicheres Management: Doppelte Sicherung in neuen Umgebungen, gut sitzendes Windhunde-Geschirr, Trainingsaufbau an der Schleppleine.
- Freilauf realistisch prüfen: Jagdliche Motivation, Rückrufqualität und Wildbesatz der Umgebung müssen zusammenpassen. In der Praxis vereinbaren wir klare Freilauf-Kriterien (Rückruf in 3/3 Testläufen, kein Starren/Freezing bei Wildsichtung, ruhige Körpersprache), bevor wir Freilauf empfehlen.
- Körperpflege: Dünnes Haarkleid, empfindliche Haut – passgenaue Mäntel für kalte, nasse Tage; Pfotenpflege (Ballenschutz, Kontrolle auf Risse).
- Ernährung: Energiedichte Fütterung, moderater Proteingehalt, hochwertige Fette; bei Untergewicht oder Infekten kooperieren wir mit Ernährungsberatung.
- Beschäftigung: Nasenarbeit, kontrolliertes Sprintspiel auf eingezäunten Arealen, ruhige kognitive Aufgaben. Keine Zerrspiele in Schmerzphasen; Orthopädie und Training müssen zusammen gedacht werden.
Die gute Nachricht: Mit medizinischer Basisversorgung, Ruhe, Struktur und positivem Training stabilisieren sich viele Galgos schnell.
Adoption verantwortungsvoll gestalten – Checkliste aus tierärztlicher Sicht
Wer durch den Galgomarsch motiviert ist, einem Hund ein Zuhause zu geben, sollte strukturiert vorgehen:
- Seriöse Organisation wählen: Transparente Vorkontrollen, Verträge, medizinische Unterlagen (Impfpass, Testprofil, Parasitenstatus), Nachbetreuung. International aktive, seriöse Anlaufstellen sind z. B. SOS Galgos (Spanien), Greyhounds in Need (UK) oder GRIN (USA).
- Medizinische Erstuntersuchung unmittelbar nach Ankunft: Allgemeinstatus, Mittelmeer-Profil, Kotuntersuchungen, Hautstatus, Gelenkcheck, Zahnbefund.
- Versicherung & Recht: In Deutschland ist in vielen Bundesländern eine Hundehaftpflicht Pflicht. Für Spanien selbst hat die neue Gesetzeslage u. a. eine Haftpflichtpflicht für Hundehalter eingeführt; in Deutschland gelten je nach Bundesland unterschiedliche Regelungen – informieren Sie sich lokal. International berichten Verbraucherseiten über Inhalte und Ausnahmen der spanischen Reform, die Jagdhunde nicht einbezieht.
- Verhalten & Umwelt: Stufenplan für Alleinbleiben, Reizreduktion, Begegnungstraining; positive Verstärkung statt Druck.
- Netzwerk: Kontakt zu Windhundgruppen, Trainerinnen/Trainern mit Sighthound-Erfahrung, Physiotherapie/Physikalische Medizin, ggf. Osteosynthese-Expertise bei Altfrakturen.
Warum wir als Praxis den Galgomarsch aktiv unterstützen
Ich habe während meiner Laufbahn – vom Studium in Leipzig über sechs Jahre Kleintierklinik in Köln, den Abteilungsaufbau in Lahr bis zu unseren Praxen in Karlsbad – unzählige Importhunde gesehen. Bei den Galgos fällt mir auf, wie rasch sie Vertrauen fassen, wenn Schmerz gelindert, Hunger gestillt und Alltag berechenbar wird. Der Galgomarsch richtet den Scheinwerfer auf den Teil des Systems, der in Spanien bislang nicht konsequent reguliert ist – die Nutzung von Hunden für die Jagd. Internationale NGOs beschreiben wiederholt, wie Proteste in vielen Städten stattfinden und politischen Druck erzeugen, u. a. in London, Utrecht, Wien oder Berlin.
Unsere Rolle als Tierarztpraxis ist nicht politisch parteiisch, sondern tierschutzfachlich: Wir fordern gleiche Schutzstandards für alle Hunde, transparente Zucht- und Haltungsbedingungen, lückenlose Kennzeichnung und Nachverfolgbarkeit sowie eine solide Strafverfolgung bei Missbrauch. Dass der Galgomarsch international vernetzt und gut dokumentiert ist, belegen die englischsprachigen Seiten von SOS Galgos, CAS International und Greyhounds in Need – genau diese „Blick von außen“-Perspektive macht den Protest so wirksam.
Außerdem haben wir selbst ein fröhliches und immer gutgelauntes Podencomädel aus der zu empfehlenden Tierrettung Podenco Help Filato:

Häufige Fragen (FAQ) zum Galgomarsch
1) Worum geht es beim Galgomarsch ganz konkret – und was fordert der Protest?
Der Galgomarsch ist eine friedliche, europaweite Demonstration rund um den 1. Februar, dem World Galgo Day. Ziel ist es, auf das Schicksal spanischer Jagdhunde aufmerksam zu machen und gleiche gesetzliche Standards für alle Hunde einzufordern – unabhängig von ihrer Nutzung. In Spanien trat 2023 ein neues Tierschutzgesetz in Kraft. Es enthält schärfere Strafen und strengere Regeln für Haustierhandel und -haltung; Jagdhunde sind jedoch ausgenommen. Genau diese Ausnahme ist der Kern vieler Proteste: Tierschutzorganisationen argumentieren, dass Misshandlungen und Vernachlässigung nicht nach Verwendungszweck des Tieres beurteilt werden dürfen. Der Galgomarsch fordert daher u. a. die Aufhebung der Ausnahmeregelung, eine lückenlose Kennzeichnung/Registrierung sämtlicher Jagdhunde, die Überwachung von Zucht und Haltung, klare Tierschutzstandards für Training und Einsatz sowie die konsequente Ahndung von Verstößen. Parallel richtet der Marsch den Blick auf die medizinische Realität der betroffenen Hunde: Zu viele erreichen Tierschutzstationen mit Parasitosen, Untergewicht, orthopädischen Problemen oder Angststörungen – Befunde, die wir in der Praxis regelmäßig sehen. Internationale Berichte, etwa von AP und Euronews, haben diesen Zielkonflikt zwischen kulturellen Traditionen und modernen Tierschutzstandards mehrfach beleuchtet und damit die gesellschaftliche Debatte befeuert.
2) Ist eine Adoption eines Galgos nach dem Galgomarsch sinnvoll – und was ist medizinisch zu beachten?
Ja, Adoptionen können großartig sein – vorausgesetzt, sie erfolgen strukturiert. Als Tierärztin empfehle ich nach Ankunft eine Basisdiagnostik: vollständige klinische Untersuchung, Hämatologie/Biochemie, Mittelmeer-Profil (Leishmania, Ehrlichia, Babesia, Anaplasma, Dirofilaria), mehrfache Kotuntersuchungen, Haut- und Zahnstatus. Orthopädisch prüfen wir Gangbild, Wirbelsäule, Zehen- und Sprunggelenke, ggf. Bildgebung. Viele Hunde erholen sich innerhalb weniger Wochen, wenn Schmerzmanagement, Parasitenkontrolle und angepasste Fütterung greifen. Parallel erstellen wir mit dem Halter einen Verhaltensplan: Reizreduktion, sichere Führung, Aufbau von Ruhefenstern, behutsames Begegnungstraining. Wichtig ist die Wahl einer seriösen Organisation: Transparenz, Nachkontrollen, medizinische Unterlagen und ein realistisches Bild des Hundes sind Pflicht. International aktive NGOs wie SOS Galgos (Spanien), Greyhounds in Need (UK) und GRIN (USA) zeigen, wie Rettung, medizinische Versorgung und Vermittlung zusammengehören. Wer adoptiert, sollte sein regional zuständiges Veterinäramt einbeziehen, lokale Versicherungspflichten beachten und die ersten Wochen wie eine Reha-Phase behandeln: wenig Reize, viel Sicherheit, regelmäßige tierärztliche Checks.
3) Was unterscheidet den Galgo verhaltensbiologisch von anderen Hunden – und wie setze ich Training sinnvoll an?
Der Galgo ist ein Sighthound: visuell gesteuerte Jagdmotivation, hohe Grundgeschwindigkeit und eine bemerkenswerte Impulskontrolle im Ruhezustand. Er ist oft leise, menschenbezogen und sensibel, mit einem feinen Sozialverhalten gegenüber Artgenossen. Training beginnt mit Management: doppeltes Sichern in neuen Umgebungen, gut sitzendes Geschirr, stufenweiser Rückrufaufbau über Belohnungsraten, die hoch genug sind, um mit Umweltreizen zu konkurrieren. Wir arbeiten mit Markertraining, strukturieren Begegnungen und nutzen kontrollierte Sprintmöglichkeiten auf eingezäunten Flächen, um den Bewegungsdrang fair zu kanalisieren. Freilauf ist kein Automatismus: Er setzt zuverlässigen Rückruf, geringe Reizüberflutung und adäquate Umgebung voraus. Orthopädische Besonderheiten (lange Hebel, dünnes Haarkleid, Tarsalgelenke) erfordern aufwärmende Sequenzen vor Sprintspielen und eine Regeneration danach. Viele Halter unterschätzen, wie wichtig Ruhe für diese Hunde ist: Zwei qualitativ gute Aktivitätseinheiten pro Tag plus ausgedehnte Erholungsphasen bewähren sich. Verhaltenstherapeutisch arbeiten wir – falls nötig – mit angstlösenden Strategien und in Einzelfällen medikamentöser Unterstützung. Dieser fachliche Ansatz passt zum Anliegen des Galgomarsches: faire Haltung, artgerechte Auslastung und medizinisch fundierte Begleitung.
4) Welche internationalen Quellen sind verlässlich, wenn ich mich tiefer einlesen möchte?
Für Einsteiger sind englischsprachige Übersichtsseiten zu World Galgo Day hilfreich (Hintergrund, Termin, Zielsetzung). Zusätzlich empfehle ich die Websites etablierter NGOs mit langjähriger Dokumentation, die teils multilinguale Inhalte anbieten. Dazu zählen SOS Galgos (Spanien), CAS International (Niederlande) und Greyhounds in Need (UK). Sie berichten über Proteste, veröffentlichen Recherchen und vernetzen Hilfsangebote. Wer die rechtliche Lage verstehen will, findet bei internationalen Medien (z. B. AP, Euronews) sowie ausführlichen Dossiers Hinweise auf Schutzlücken und politische Debatten. Diese Quellen zeigen, wie es zur Ausnahmeregel für Jagdhunde im spanischen Gesetz kam und welche Folgen das für den Alltag der Tiere hat. Nützlich sind außerdem Hintergrundseiten, die die spanischen Regelungen in bürgernahe Informationen übersetzen (Haftpflicht, Registrierung, Handel). Zusammen ergibt sich ein Gesamtbild: Die internationalen Galgomärsche bündeln Expertise, Öffentlichkeit und politische Forderungen; sie sind kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um die Lage der Jagdhunde langfristig zu verbessern.
5) Ich möchte den Galgomarsch unterstützen, kann aber nicht teilnehmen – was bringt mein Beitrag?
Unterstützung ist vielfältig möglich: Spenden an seriöse Organisationen, Pflegestellen für Hunde in der Übergangsphase, Transport- und Sachspenden, fachliches Know-how (z. B. Übersetzungen, Rechtsberatung, Medienarbeit) oder die Verstärkung der öffentlichen Stimme durch lokale Netzwerke. Klinisch relevant ist auch die Finanzierung gezielter Diagnostik (Mittelmeer-Profile, Bildgebung, Zahn-OPs) – genau diese Posten sind in Tierschutzfällen die Kostentreiber. In unserer Praxis erleben wir, dass gezielt eingesetzte Mittel enormen Unterschied machen: Ein Hund mit chronischem Schmerz oder unbehandelter Infektion bleibt verhaltensauffällig; dieselbe Hündin ist mit analgesischer, antiparasitärer und ernährungsmedizinischer Therapie binnen Wochen stabil. Der Galgomarsch schafft Reichweite, Ihr Beitrag schafft Handlungsmacht – zusammen ermöglicht das medizinisch saubere, nachhaltige Hilfe. Wenn Sie sich international orientieren, achten Sie auf Transparenzberichte, dokumentierte Fallzahlen und eine klare Trennung von Spenden- und Verwaltungskosten. Seiten wie CAS International, SOS Galgos oder GRIN veröffentlichen kontinuierlich Einsätze, Adoptionszahlen und Kampagnen – das ist ein gutes Kriterium, um Wirksamkeit zu beurteilen.
Zusammenfassung: Warum der Galgomarsch medizinisch sinnvoll, politisch notwendig und ethisch geboten ist
Der Galgomarsch bündelt, was im Tierschutz selten zusammenkommt: Emotionale Sichtbarkeit, medizinische Klarheit und politische Forderungen. Aus meiner tierärztlichen Perspektive – geprägt durch Studium an der Universität Leipzig, mehrere Jahre Klinikalltag in Köln, den Aufbau einer Kleintierabteilung in Lahr und seit 2013 die Leitung unserer Praxen in Karlsbad – ist der Galgomarsch ein Hebel, der die Situation vieler Hunde messbar verbessern kann. Warum? Weil der Galgomarsch Betroffenen – Menschen und Hunden – eine Stimme gibt, internationale Netzwerke aktiviert und die Schutzlücke im spanischen Recht in den Fokus rückt. Der Galgomarsch ist damit mehr als ein Spaziergang mit Transparenten; der Galgomarsch ist eine Schnittstelle zwischen öffentlichem Bewusstsein, seriöser Medizin und pragmatischen Lösungen.
Im Praxisalltag sehen wir, wie sehr medizinische Startbedingungen den Lebensweg eines Hundes bestimmen. Hunde aus dem Jagdeinsatz kommen oft mit Parasitosen, Mangelzuständen, orthopädischen Altlasten und Stresssymptomen in Deutschland an. Der Galgomarsch erinnert daran, dass diese Einzelschicksale Systemursachen haben: Zucht- und Haltungsbedingungen, Trainings- und Einsatzpraktiken, fehlende Nachverfolgbarkeit und unzureichende Kontrolle. Der Galgomarsch fordert deshalb gleiche Standards für alle Hunde – Kennzeichnung, Registrierung, Gesundheitschecks, behördliche Überwachung, klare Sanktionen bei Verstößen. Aus tierärztlicher Sicht ist das präventive Medizin: Wer Ursachen reguliert, reduziert Leid – im Wartezimmer und draußen im Feld.
Gleichzeitig zeigt die Erfahrung mit Galgos, wie resilient diese Hunde sind. Mit Diagnostik, Analgesie, Antiinfektivum, Parasitenschutz, Ernährungsaufbau und verhaltensmedizinischem Plan machen sie oft schnelle Fortschritte. Genau das kommuniziert der Galgomarsch: Nicht Anklage um der Anklage willen, sondern Hilfe mit Plan. Der Galgomarsch sensibilisiert Halter, Kommunen und Politik für seriöse Adoption, verbindliche Standards und die Rolle internationaler Kooperation. Indem der Galgomarsch in London, Berlin, Wien oder Utrecht stattfindet, wird Druck erzeugt, der nationale Debatten in Spanien nicht ignorieren können. Der Galgomarsch ist damit ein Signal über Grenzen hinweg, das Tierärztinnen und Tierärzte gerne unterstützen – weil es medizinisch Sinn ergibt.
Für Halterinnen und Halter bietet der Galgomarsch zudem praktische Lernchancen: Austausch mit erfahrenen Windhundmenschen, Kontakte zu qualifizierten Trainerinnen/Trainern, Hinweise auf Tierärzte mit Sighthound-Kompetenz, Infos zu Versicherungspflichten und rechtlichen Rahmenbedingungen. Der Galgomarsch dient so als Marktplatz der seriösen Informationen und trennt belastbare Fakten von bloßen Meinungen. In meiner Beratungspraxis sehe ich deutlich: Wer über den Galgomarsch zur Adoption findet, kommt häufig besser vorbereitet in die Praxis – mit vollständigen Unterlagen, realistischen Erwartungen und der Bereitschaft, Rehabilitation als Prozess zu sehen.
Schließlich ist der Galgomarsch eine Einladung an Politik und Gesellschaft, Widersprüche aufzulösen: Traditionen können wertvoll sein, aber sie legitimieren kein Leid. Moderne Tierschutzgesetzgebung muss kohärent sein – dieselben Hunde, dieselben Rechte. Der Galgomarsch artikuliert genau diese Forderung und verbindet sie mit einem positiven Angebot: klare Standards, Transparenz, Aufklärung, medizinisch fundierte Hilfe. So schaffen wir eine Zukunft, in der der Galgomarsch vielleicht eines Tages überflüssig wird – weil seine Anliegen in Gesetz und Praxis angekommen sind. Bis dahin gilt: Der Galgomarsch bleibt ein unverzichtbares Instrument, um das Wohl der Jagdhunde zu verbessern, und wir als Tierarztpraxis stehen – fachlich, medizinisch und mit langjähriger Erfahrung – hinter diesem Anliegen.
